Gizmo

Interesse an Chemie und Begeisterung fürs Theater passen gut zusammen. Das haben heuer acht Jugendliche der Rosensteingasse mit ihrem eigenständig organisierten Theaterprojekt bewiesen.

Im Juni 2014 endete mit der Aufführung des Jura Soyfer-Stücks "Der Lechner Edi schaut ins Paradies" die dreijährige Kulturpartnerschaft zwischen der HBLVA 17 und dem Theater SPIELRAUM. Damit das Ende des professionellen Coachings durch Drin Nicole Metzger und Peter Pausz nicht automatisch auch das Aus für die schauspielerisch aktive SchülerInnen-Gruppe bedeutete, wurde Florian Eder, Schüler der 4HBb, initiativ.
Er beantragte im Rahmen des Programms CASH FOR CULTURE erfolgreich eine Förderung und ermöglichte somit, dass interessierte SchulkollegInnen unter seiner Leitung Alan Ayckbourns Stück „GIZMO“ einstudierten.
Seit Oktober probte er gemeinsam mit Annika Becker (2Ha), Adrian Leitner (2He), Philip Morgenfurt (2Hd), Thomas Schmölz (3Hc), Cassandra Schober (2Hb), Katharina Thiel (2He) und Marlene Weidner (2Hb). Etliche Samstage und viele Stunden Freizeit wurden investiert, um das anvisierte Ziel der Aufführung zu erreichen.
In der zweiten Aprilwoche gaben sie in vier Aufführungen auf der Kellerbühne des Währinger Gewölbes ihr Können zum Besten. Angehörige, Freunde und auch insgesamt neun Klassen der Rosensteingasse unterhielten sich dabei gut. Es bestand die Möglichkeit, im Anschluss an die Vorführungen und im Rahmen des Unterrichts mit den SchauspielerInnen über das gelungene Theaterprojekt zu diskutieren.

Im Zentrum der Tragikomödie steht ein utopisches wissenschaftliches Projekt: Ben, ein junger Mann, ist vollständig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Jedoch nicht, weil er verletzt ist, sondern weil er vor über einem Jahr Zeuge eines grässlichen Mordes geworden und sein Körper seither vor Angst erstarrt ist. Da keine Therapie eine Wirkung zeigt, stellt Ben sich als Versuchsobjekt für eine neuartige Erfindung zur Verfügung: Gizmo.
In sein Gehirn wird ein Mikrochip eingepflanzt, der in Funkkontakt mit einem uhrenähnlichen Gerät steht. Wer immer dieses am Handgelenk trägt, hat die totale Kontrolle über Bens Körper: Er muss jede Bewegung nachvollziehen, die dieser vorgibt. Während sich Ben mit seinem Krankenpfleger auf einen Spaziergang in den Park begibt, werden die beiden plötzlich überfallen und das Gerät, von dem Ben gesteuert wird, fällt in die Hände eines kaltblütigen Verbrechers.
Wie sich der Protagonist seiner Opferrolle entledigt, zeigt das junge Ensemble in einer kurzweiligen, humorvollen Inszenierung des 17-Jährigen.

Angelehnt an die Struktur des analytischen Dramas wird der zurückliegende Mordfall aufgerollt und die Hauptfigur gerät abermals in Lebensgefahr. Den ambitionierten Akteuren gelingt neben spannender Darstellung ein satirischer Blick auf das Gesundheitswesen und den Wissenschaftsbetrieb.

Die meisten AkteurInnen übernehmen mehrere Rollen, die Besetzung (Es spielten: BEN MASON, EIN BARKEEPER: Cassandra Schober // PROFESSOR RAYMUND BARTH, GIZMO CHEFPROJEKTLEITER: Florian Eder // BERNICE MALLOW, GIZMO-TEAM: Annika Becker // DR. DENISE BEST, EINE NEUROLOGIN: Marlene Weidner // NED POTTER, EIN PHYSIOTHERAPEUT: Florian Eder // TED WILKINS, EIN KRANKENPFLEGER: Thomas Schmölz // DART, HEZZA UND RUST, EINE GANG: Katharina Thiel, Annika Becker & Philip Morgenfurth // MANNY RICE, EIN MAFIA-BOSS: Adrian Leitner // RUDI, MANNY’S BODYGUARD: Florian Eder // CEVRIL TURNER, „MANNY’S FREUNDIN“: Marlene Weidner // LANDO, EIN AUFTRAGSMÖRDER: Philip Morgenfurt) ist wohlüberlegt und trefflich.

Von schulischer Seite her ist den engagierten SchülerInnen für ihr beeindruckendes Selbstmanagement, ihren Mut und ihre Tatkraft aufrichtiger Respekt zu zollen. Dass es ihnen Spaß bereitet hat, sich kreativ zu betätigen und eigene Grenzen auf der Bühne auszuloten, haben sie authentisch vermittelt. Die Vorbildwirkung ist somit keinesfalls zu unterschätzen, es bleibt zu hoffen, dass sich die Begeisterung für Kunst auf die ZuseherInnen überträgt.

Großer Dank ergeht auch an den Maturanten Daniel Zodl, der trotz bevorstehendem Schulabschluss die Technik übernommen hat, an Drin Nicole Metzger für ihre wertvollen Tipps vor der Premiere und an Frau Professorin Raschauer für Ermutigung, Beratung und schulinterne Kundmachung.

Zugaben sind durchaus erwünscht.

 

Text © by Mag. Barbara Müller